Joko & Klaas: Erfolgreich in der Schublade - Formatentwicklung
Nicolas Kreutter ist Formatentwickler & Creative Producer für TV-Sender, VoD-/ Audioplattformen und Produktionsfirmen im deutschsprachigen Raum.
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Joko & Klaas: Erfolgreich in der Schublade

Joko & Klaas: Erfolgreich in der Schublade

15,6% Markanteil im Durchschnitt erreichte die erste Staffel JOKO UND KLAAS GEGEN PRO7. Die 15- minütigen Liveshows stiegen sogar auf über 20%.

Ein schöner Erfolg und wieder ein Beleg dafür, dass die beiden Akteure am besten funktionieren wenn sie ein Duell bestreiten, eigene Ängste überwinden und vielerlei Unangenehmes überstehen müssen. Dieses Mal mussten sie im Duell nicht gegen- sondern miteinander antreten. Dieser Twist hat allerdings nichts an der Grundstruktur eines Erfolgsformats geändert, das die beiden schon seit über 10 Jahren im deutschen Fernsehen aufführen. 

Klaas hat einmal in einem interview gesagt, dass er und Joko eigentlich seit MTV HOME ein und dieselbe Show mit wechselnden Namen produzieren. Man könnte auch despektierlich behaupten, dass die beiden, wie zwei Clowns mit demselben Programm durch wechselnde Managen laufen. 

ABER, genau das macht ihren Erfolg aus!

Die beiden haben diese Nummer perfektioniert und sie sind mit dieser Nummer bei den Zuschauern in Erinnerung geblieben. Ihr Erfolgsrezept ist eine Schublade, in die die Zuschauer sie packen können. Und jedes Mal, wenn die Schublade aufgeht, weiß das Publikum, welches Programm gleich beginnt. Joko und Klaas erfüllen Erwartungen und das ist gut – denn die beiden sind verlässlich. 

Eine Schwierigkeit gibt es: Als Akteur sitzt man in dieser Schublade fest. Nach einer Weile wird sie einem zu eng. Man möchte ausbrechen, etwas Neues wagen. Doch der gewünschte Erfolg stellt sich dann oftmals nicht ein. Joko und Klaas waren mit Formaten, in denen sie nur von der Seitenlinie aus mitgespielt haben, nie so erfolgreich. 17 METER, MEIN BESTER FEIND oder TEAMWORK sind nur drei Beispiele von Sendungen, die genauso gut von jemand anderem hätten moderiert werden können. Joko und Klaas sind in diesen Fällen austauschbar gewesen.

Es gibt wenige Akteure, die sich aus ihrer sehr erfolgreichen Schublade herausspielen konnten. Egal ob für Schauspieler, Sänger oder eben Moderatoren – es ist schwierig den eigenen Fans zu vermitteln: Hey, ich entwickle mich weiter, ich mache etwas Neues! Der Großteil der Zuschauer will nichts Neues. Sie wollen, dass ihre Erwartungen erfüllt werden. Steffen Henssler hat das zuletzt am eigenen Leib erfahren. Auch Markus Lanz kann ein Lied davon singen, wenn er singen könnte.

Ich habe es selbst erlebt

Während acht Jahren habe ich eine Morningshow bei einem Berliner Radiosender Co-moderiert und war als DER SCHWEIZER eine der Hauptfiguren der Show. Nicht nur meine Bekanntheit und Beliebtheit steigerte sich schnell, sondern auch die des Senders. Innerhalb von ein paar Jahren schaffte es die Station von den hinteren Plätzen der Rangfolge auf Platz 2 der Berliner Sender.  

Was war das Erfolgsgeheimnis? Plump gesagt: Wir haben Schweizer Klischees bedient und damit Erwartungen erfüllt. Die Menschen mögen, was sie kennen. Und gerade beim Thema Schweiz haben viele Menschen direkt Bilder im Kopf. Hohe Berge, freundliche Menschen, saubere Städte, leckere Schokolade, entspanntes Leben, Käsefondue, Goldbarren etc. 

Wenn Sie mir bei all diesen Punkten zustimmen, dann haben Sie die Schweiz auch in eine Schublade gepackt. Wenn ich Ihnen jetzt erzählen würde, dass all diese Klischees eben nur Klischees sind und die Wahrheit auch anders aussieht, würde ich Sie enttäuschen. 

Stellen sie sich jetzt einen Schweizer Moderator in Berlin vor, der im akzentfreien Deutsch sein breites Popkulturwissen zum Besten gibt, am liebsten Chai-Latte mit Laktose freier Milch trinkt, sich wie ein Hipster kleidet und im Leben noch nie in den Bergen war – was glauben Sie, wie würde dieser Schweizer bei den Hörern ankommen?

Was ich damit sagen will: Es ist ein sehr beschwerlicher Weg sich aus einer Schublade herauszuarbeiten. Oder was denken Sie, wie lange George Clooney im grünen Arztkittel durchs Fernsehen rennen musste, bis ihm jemand in Hollywood keine Arztrolle angeboten hat?

Mein Fazit

Ich glaube, dass Joko und Klaas es richtig machen. Jeder hat auch seine eigenen Projekte – Dinge in denen er sich weiterentwickeln kann – unabhängig von der Quote und dem Zuspruch der Mehrheit. Und doch gibt es da noch die alte Schublade, die immer wieder aufgemacht wird und die die beiden dazu bringt, sich als Zirkusclowns durch die Manege zu schlagen.

 

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