Streaming-Empfehlungen für die Quarantäne - Formatentwicklung
Nicolas Kreutter ist Formatentwickler & Creative Producer für TV-Sender, VoD-/ Audioplattformen und Produktionsfirmen im deutschsprachigen Raum.
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Streaming-Empfehlungen für die Quarantäne

Streaming-Empfehlungen für die Quarantäne

Na, auch schon am Sofa festgewachsen? Ich fürchte, dass ein Großteil der Bevölkerung nach der Corona-Krise ins Möbelhaus rennt, um sich eine neue Couch zu kaufen, weil man sich auf der Alten wund gelegen hat. Aber genau das ist das Ziel! Nur wer am Ende seine Blutgruppe in „Netflix-positiv“ ändert, hat alles richtig gemacht. Das gilt natürlich auch für Disney, Apple, Amazon und alle anderen Anbieter. Deshalb gibt es an dieser Stelle ein paar Streaming-Empfehlungen gegen die Langeweile. Der Vorteil: In diesen Gemischtwarenläden sind Filme, Serien, Dokus etc. NIE ausverkauft!

In meiner Auslage findet ihr Serien, Realities, Oscar-prämierte Filme und Dokus. Einige kennt ihr vielleicht schon, andere noch nicht. Und keine Sorge, es sind nicht nur Netflix-Empfehlungen dabei. Denn ich habe auch an die gedacht, die bei Netflix alles schon zweimal gesehen haben! Wie immer gilt: Die Mutigen schauen nicht den Trailer, sondern direkt den Film oder die Serie. Für alle anderen, gibt es den Trailer. Also Schluss mit der Laberei und los geht’s:

Better Call Saul – Staffel 5

Die Verwandlung des Anwalts und Pechvogels Jimmy McGill zu Saul Goodman ist bald vollendet. Am 24. Februar 2020 startete die fünfte und vorletzte Staffel von „Better Call Saul“ auf Netflix. Die zehn neuen Episoden kommen in wöchentlichen Abständen heraus. Ich sage es mal so: Wer bisher nicht die vier Staffeln gesehen hat, wird mit der fünften auch nicht beginnen. Entweder man liebt die Hauptfigur und diese langsame Erzählweise, oder man hat auch „Breaking Bad“ nicht gesehen. Für mich ist die fünfte Staffel auf jeden Fall ein Highlight in 2020.

 

The Servant

Von Netflix direkt zum Rivalen Apple TV+. Hier habe ich vor einiger Zeit die Serie „The Morning Show“ mit Jennifer Aniston empfohlen, die wieder erwarten doch nicht mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde. Zur selben Zeit, also letzten Herbst, ist auch die Original-Serie „The Servant“ bei Apple TV+ online gegangen. Ich muss gestehen: Diese Serie macht mich wahnsinnig und ich bin hin- und hergerissen, weil ich nicht weiß, ob ich das jetzt gut oder total sche**se finden soll. Aber der Reihe nach: M. Night Shyamalan ist der Schöfper vieler Psychothriller, wie z.B. „The Sixth Sense“, „Unbreakable“ oder „The Village“ und er ist auch der Kopf hinter „The Servant“. Man hat ihm früher vorgeworfen, dass seine Filme schnell durchschaubar wären und er mit einfachen „Taschenspielertricks“ arbeiten würde. Ob er das auch in dieser Serie getan hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht – denn auch nach 10 Folgen lässt sie den Zuschauer völlig im Unklaren, was eigentlich vor sich geht. Zum Inhalt möchte ich nicht viel verraten: Es geht um ein junges Ehepaar mit Baby und um eine mysteriöse Nanny. Die Serie ist ein Kammerspiel und die Handlung der ersten Staffel hätte man locker in einen einzigen Spielfilm integrieren können – aber vielleicht ist es aber auch genau richtig, dass eben nicht zu tun – um tiefer in die mystische Atmosphäre einzutauchen. Ich bin unschlüssig, ob mir diese Serie gefällt. Trotzdem werde ich auf jeden Fall die zweite Staffel anschauen!

 

Love is Blind

Zurück zu Netflix und von der Fiction-Serie zur Reality. Die Frage lautet: Wie sieht ein modernes Dating-Format heute aus? Der RTL-Bachelor kommt trotz guter Quoten langsam aus der Mode. Und der Halli-Galli-Zirkus von „Love Island“ ist aus meiner Sicht nur Kindertheater. Mit „Love is Blind“ hat Netflix allerdings jetzt einen neuen Ansatz gefunden. Die Macher hinter dieser Serie sind übrigens dieselben, wie die von „Hochzeit auf den ersten Blick“ (Sat.1) – der Dating-Sendung, in der sich die Paare direkt am Standesamt kennenlernen und heiraten sollen. „Love is Blind“ spielt damit, dass sich die Männer und Frauen vorher ausgiebig kennenlernen dürfen, bevor sie sich verloben sollen! Der Haken ist: Die Single-Kandidaten können sich bei den Dates nie sehen, sondern nur hören. Ohne Ablenkung durch die Außenwelt sprechen die Singles in voneinander abgetrennten Kabinen mit einer Reihe potenzieller Partner. Kommt eine Verbindung zustande, verloben sie sich und sehen ihren Partner erst danach zum ersten Mal in persona. Als verlobtes Paar kehren sie dann nach vorgezogenen Flitterwochen in die reale Welt zurück und planen ihre Hochzeit. Natürlich ist da auch sehr viel Reality-Trash dabei, trotzdem ist der Ansatz, der Look der Sendung und die Dramaturgie echt gut! Ich empfehle vor allem die letzte Show – das große Wiedersehen der Kandidaten, hier kommt alles zusammen, was gutes Fernsehen ausmacht.

 

Parasite

Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung in Los Angeles gab es einen großen Überraschungssieg: Der südkoreanische Film „Parasite“ hat als erster nichtenglischsprachiger Streifen in der Kategorie „Bester Film“ den Oscar gewonnen. Darüber hinaus die Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch, die beste Regie und den besten nichtenglischsprachigen Film bekommen. Der Titel sagt hier schon viel über den Inhalt aus. Alles beginnt in einer Kellerwohnung der verarmten Familie Kim. Die Eltern und zwei Kinder sind sich für keinen Aushilfsjob zu schade und kriechen für ein bisschen Wlan-Empfang in die letzte Ecke ihres Kellers. Erst als der Jüngste eine Anstellung als Nachhilfelehrer in der Villa der Industriellenfamilie Park antritt, steigen die Kims ins Karussell der Klassenkämpfe ein. Was sich daraus entwickelt ist zu keinem Punkt vorhersehbar. Und auch das Ende überrascht. Ein außergewöhnlicher Film, der wahrscheinlich in der Originalsprache noch eindringlicher und spannender wäre. Leider ist mein Koreanisch nicht mehr so gut wie früher…

 

Spenser Confidential

Mark Wahlberg gehört nicht nur zu der Sorte Mensch, die offenbar nicht altert, sondern auch zu denen, die nie ihren Heimatort verlässt. Tipp an alle Produktionsfirmen: Wenn ihr Mark Wahlberg als Hauptdarsteller haben wollt, dann verlegt die Story nach Boston, Massachusetts. Denn ich weiß nicht, der wievielte Wahlberg-Film „Spenser Confidential“ ist, der in Boston spielt – der Geburtsstadt von Wahlberg. Offenbar pendelt Marky Mark nicht gerne zur Arbeit. Wahlberg ist für mich aus einem anderen Grund noch ein Phänomen: Er schafft als einer der wenigen Schauspieler den Spagat zwischen knallharter Action, Drama und Komödie. Alleine die Bandbreite seiner letzten Filme ist riesig: Wahlberg als Flechter Chase im Thriller „Alles Geld der Welt“, dann als James Silva im Actionfilm „Mile 22“, Wahlberg als Mike Williams im Katastrophenfilm „Deepwater Horizon“ oder eben auch als Familienvater in der Komödie „Plötzlich Familie“. Alle genannten Filme kann ich empfehlen. Und hier reiht sich auch die Netflix-Actionkomödie „Spenser Confidential“ ein. Die Story? Na ja: Rache, Spurensuche, Prügeleien, Jokes – bestes Popkorn-Homekino eben. Natürlich bekommt der Film keine fünf Sterne, aber hey: Er hilft gegen die Langeweile.

 

Super Size Me 2: Holy Chicken

Alle Vegetarier sollten jetzt nicht weiterlesen – wer sich hingegen noch an Morgan Spurlock erinnern kann, wird das vielleicht interessieren. Der Dokumentarfilmer wagte 2003 ein einzigartiges Experiment: 30 Tage lang ass er nur bei McDonalds. Frühstück, Mittag und Abendbrot. Parallel lies er den „Zerfall“ seines Körpers ärztlich dokumentieren. Das Problem bei solchen Dokus, wie auch bei denen von Michael Moore ist: Das Resultat steht schon fest, bevor der Filmemacher loslegt. Und deshalb sind die Handlungen immer einseitig und vorhersehbar. Denn es wird nur nach Fakten und Menschen gesucht, die die These des Filmemachers unterstützen. Trotzdem zeigt „Super Size Me 2“ eindeutig, dass sich in den USA (und das gilt auch für Europa), in den letzten bald 20 Jahren nichts wirklich geändert hat. Die Lebensmittelerzeuger und die Werbung haben nur die Verpackungen angepasst, der Inhalt ist gleich geblieben. Wer also einmal deutlich sehen will, wie wir in Zeiten von Nachhaltigkeit mit pseudo-ökologischen Versprechungen rund ums Essen verarscht werden, sollte sich diese Doku ansehen. Insgeheim weiß eigentlich jeder, dass das, was auf der Packung steht, einem nur ein gutes Gefühl geben soll. Trotzdem ist es gut, sich die Realität ab und zu anzuschauen. Und die ist in den USA keine andere, als hier in Europa.

Soviel für den Moment. Ich schaue weiter fleißig Serien, Filme und Dokus, um euch bald weitere Empfehlungen geben zu können. Wer mir etwas empfehlen möchte: Ich bin froh um jeden Tipp! Aus lauter Verzweiflung musste ich gestern schon auf einen Stephen-King-Film ausweichen…

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