Innovation & Kreation in Krisenzeiten - Formatentwicklung
Nicolas Kreutter ist Formatentwickler & Creative Producer für TV-Sender, VoD-/ Audioplattformen und Produktionsfirmen im deutschsprachigen Raum.
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Innovation & Kreation in Krisenzeiten

Innovation & Kreation in Krisenzeiten

Ich erlebe  gerade im eigenen Bekanntenkreis, dass viele Unternehmer und Selbständige jetzt umdenken müssen. Wir lebten und leben in ausgesprochen disruptiven Zeiten. Was als Geschäft gestern noch funktionierte, kann morgen schon vorbei sein. Diese Umberechenbarkeit kann einem große Angst machen, ist aber auf der anderen Seite auch eine Chance für Neues. Wichtig ist bei alldem, dass jeder innovativ und kreativ bleibt und nach neuen Lösungswegen sucht. Auf diese Weise gibt es immer wieder Menschen und Unternehmen, die gestärkt aus Krisen hervorgehen und danach noch erfolgreicher sind als zuvor. Andere wiederum scheitern und oft liegt das an ihren eigenen, hohen Ansprüchen.

Als Kreativer in der Medienbranche beschäftige ich mich seit Jahren mit der Entwicklung von neuen Formaten und Inhalten. Ich interessiere mich sehr für Innovationen – auch wenn die manchmal nur kleine Schritte bedeuten. Und hier möchte ich einmal mit einem Missverständnis aufräumen: Innovation und Kreation bedeuten nicht, dass man etwas komplett neu erfinden muss! Innovation bedeutet in erster Linie aus vorhandenen Elementen Neues entstehen zu lassen – indem man es mit eigenen Ideen und mit dem eigenen Talent anreichert.

Was ich sagen will: Du sollst nichts komplett neu erfinden – sondern unbedingt Bestehendes kopieren und weiterentwickeln. Schon Konfuzius erklärte das Nachahmen zum effektivsten Weg, klug zu handeln. Wer eigene Kinder hat, kann es selbst jeden Tag erleben: Sie lernen durch imitieren der Eltern.

Kopieren ist erlaubt!

Selbst in der Kunst wird geklaut: Die besten Künstler stehlen einfach ihre Lieblingswerke von ihren Vorbildern und machen erst in einem zweiten Schritt etwas Eigenes daraus.

Viele Menschen glauben, dass man etwas vollkommen Neues erfinden müsste, das noch nie da war und auf das kein anderer kommen könnte. Das ist ein hoher Anspruch. Ich erlebe das auch oft in meinen Formatentwicklungs-Workshops: Die Teilnehmer haben sehr sehr hohe Ansprüche, eine neue, nie dagewesene Sendung zu entwickeln – etwas Einzigartiges zu schaffen. Dabei macht man sich selbst das Leben schwer und produziert am Ende kaum Ergebnisse. Der Trick ist also zu kopieren, zu kombinieren und damit Neues zu kreieren.

Oder um es mit den Worten von Late-Night-Legende David Letterman zu sagen: „Wer bei mir klaut, klaut zum zweiten Mal.“

Deshalb, wenn die Unternehmer und Selbständige, die jetzt gerade straucheln, andere Businesses und Ideen entdecken, die ihnen gefallen und in denen sie großes Potential sehen, dann lautet mein Rat: Kopiert es. Macht die Idee besser, baut sie mit neuen Ansätzen aus. Die Firma Rocket Internet ist milliardenschwer geworden, weil sie Start-ups aus den USA kopiert und in Europa aufgebaut hat.

Innovation & Kreation: Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gemacht.

Zum besseren Gefühl noch ein Beispiel aus der TV-Branche: Die TV-Sendung „Kitchen Impossible“ ist aktuell ein riesen Erfolg für den Sender VOX. Wahrscheinlich hat jeder, der diesen Text liest, schon eine Folge gesehen. Auch dieses Format ist geklaut – aber eben nicht komplett. Die Macher haben sich von „Das Duell um die Welt“ mit Joko und Klaas stark inspirieren lassen und diese Formatmechanik auf das Thema „Kochwettkampf“ angewendet. Auch die Art, wie die Filme gedreht werden, hat bekannte Vorbilder. Und so entstand aus vielen bereits vorhandenen „Vorlagen“ eine neue Idee.

Noch ein Beispiel aus der Musik? Herbert Grönemeyer hat in einem seiner wenigen Interviews einmal verraten, wie er Texte schreibt. Mir ist früher schon aufgefallen, dass seine Texte manchmal zusammenhanglos wirken, aber trotzdem inspirierend und sogar philosophisch sind, weil man oft nach einem weiteren Sinn im Text sucht. Doch als ich hörte, wie er zum Teil seine Songs schreibt, war ich sehr überrascht. Grönemeyer liest viele Zeitungen, Magazine etc. Und immer wenn ihm besondere Formulierungen, schöne Wörter/Wortkreationen oder Sätze auffallen, die gut klingen, die besonders sind und zum Nachdenken anregen, dann schreibt er die auf. Und so fließt dann eine Formulierung wie: „Am Strand des Lebens“, die er irgendwo gelesen hat, in seinen Hit „Mensch“ mit ein.

Wer jetzt meint, dass eine Kopie auch ein Plagiat sei, liegt falsch. Plagieren bedeutet, das Werk eines anderen als eigenes auszugeben. Eine Kopie hingegen ist eine legitime Methode, den Grundstein für ein eigenes Werk zu legen.

Auch für diesen Blog-Text habe ich mich von fremden Ideen inspirieren lassen. Also, geht los, nehmt Ideen, seid kreativ und gestaltet daraus Neues. Viel Erfolg!

 

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