Das deutsche Fernsehen und sein Frauenproblem - Formatentwicklung
Nicolas Kreutter ist Formatentwickler & Creative Producer für TV-Sender, VoD-/ Audioplattformen und Produktionsfirmen im deutschsprachigen Raum.
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Das deutsche Fernsehen und sein Frauenproblem

Das deutsche Fernsehen und sein Frauenproblem

Ja, das deutsche Fernsehen hat ein Frauenproblem – besonders in der Primetime! Und die Aussagen von ARD-Programmdirektor Volker Herres in verschiedenen Interviews machen das mehr als deutlich!

Offenbar ist es für Herres unfassbar schwierig eine Moderatorin mit den Qualitäten eines Kai Pflaumes zu finden, die eine Primetime-Show in der ARD moderieren kann.
Seine Aussagen zeugen von Ignoranz und Hilflosigkeit. Denn wenn nicht er, wer dann, kann dafür sorgen, dass mehr Showmasterinnen in die ARD kommen? Zurecht sind viele TV-Frauen auf die Barrikaden gegangen, doch eine Entschuldigung von Herres gibt es bisher nicht.

Stattdessen faselt er in der Bild am Sonntag von einem Missverständnis: Volker Herres erklärt, er habe „selbstkritisch über die männliche Dominanz bei der großen Samstagabendshow“ gesprochen und betont, „auch in der Unterhaltung haben wir Spitzenfrauen“. Gleichzeitig sei das Erste in der „glücklichen Lage“, hervorragend besetzte Primetime-Shows zu haben. Bei einem neuen Show-Konzept „würde ich mich selbstverständlich für eine Moderatorin starkmachen“, sagt er.

Fakt ist, dass sich kaum Programmdirektoren und Senderchefs für weibliche Hosts in der Primetime stark machen! Als einziges Beispiel führt Herres Barbara Schöneberger an, die aber offenbar ganz allein auf weiter Flur steht.

Meine Erfahrungen

In meinem Alltag als Formatentwickler erlebe ich es immer wieder, wie Senderchefs von Anfang an auf einen männlichen Host setzen, wenn es um ein neues Showkonzept geht. Oft wird damit argumentiert, dass die Zuschauerakzeptanz bei männlichen Moderatoren höher wäre. Einen direkten Vergleich, der diese Aussage belegen könnte, bleiben sie allerdings schuldig. Und so greifen die Sender für neue Formate auf alt bekannte, männliche Gesichter zurück. Frauen werden oft nur als Sidekicks für die zweite Reihe besetzt oder landen als Backstagereporterinnen sogar hinter den Kulissen.

Wo gibt es denn einmal einen weiblichen Host mit männlichem Sidekick? Offenbar ist das so unvorstellbar, wie einen weiblichen Günther Jauch zu finden.

Die Regel

Im Quiz-Genre gibt es außerdem das ungeschriebene Gesetz, dass nur Männer zum Quizmaster taugen. Ich möchte an dieser Stelle an die sensationelle Sonja Zietlow mit ihrer Show „Der Schwächste fliegt“ erinnern, die das Gegenteil bewiesen hat.

Volker Herres sagt: “Voraussetzung ist, dass Sendeplatz, Format und Moderation perfekt zusammenpassen.” Und genau hier ist der Knackpunkt: Denn die Entscheidung welcher Moderator oder welche Moderatorin „perfekt passt“ ist eine rein subjektive. Da geht es nicht um die Qualitäten des Moderators oder der Moderatorin, es geht alleine um die Vorlieben der verantwortlichen Senderredakteure- oder chefs. Oft habe ich auch die Aussage gehört: „Die oder der kann das nicht!“ Das ist insofern überheblich, als dass die Personen, die diese Aussagen treffen, die Qualität eines Moderators nicht professionell sondern aus dem Bauch heraus beurteilen.

Zu guter Letzt hat der Mangel an Moderatorinnen in der Primetime vor allem damit zu tun, dass in den Chefetagen zu 90% Männer sitzen. Soweit ich weiß ist die Geschäftsführerin von SIXX die einzige Frau in der Branche auf dieser Position. Es ist natürlich purer Zufall, dass sie ausgerechnet einen Frauensender leitet.

Ich hoffe die Diskussion um die Aussagen von Volker Herres rüttelt den einen oder anderen Senderchef wach und sorgt dafür, dass diese unsäglichen alten Klischees über Bord geworfen werden. Denn auch die Zuschauer haben Lust auf etwas Neues!

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